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Die 3 häufigsten Trainingsfehler

1.Reizunwirksames Training

Immer wieder kommen Sportler in die Sprechstunde und beklagen einen fehlenden Trainingsfortschritt. Soweit medizinische Probleme ausgeschlossen sind, ist am ehesten dafür das Training verantwortlich zu machen. Eine genaue Trainingsanalyse ergibt oft ein Es wird wohl mehrmals wöchentlich trainiert, aber eine Trainingseinheit sieht wie die andere aus. Zum Beispiel werden bei Läufern immer die gleichen Strecken im gleich langsamen Tempo gelaufen. Die Folge ist, dass der Körper an diese Belastungen gut angepasst ist. Aber es fehlt der Reiz für eine Leistungsentwicklung. Aus der Sportmedizin und Trainingsmethodik weiß man, dass zu geringe Belastungsreize keine Anpassungen im Körper hervorrufen, zu starke Trainingsreize über längere Sicht eher zu Schäden führen. Wichtig sind für jeden die individuell optimalen Trainingsreize. Für eine effiziente Leistungsentwicklung müssen aber, auch in Abhängigkeit der ausgeübten Sportarten, verschiedenartige Reize auf den Körper einwirken: mit eher niedrigen Belastungsintensitäten wird insgesamt die aller Organsysteme wie z.B. der Herz-Kreislauf, die Atmung, der Stoffwechsel, die Muskulatur, Sehnen, Bänder, Gelenke etc. verbessert. Mittlere spezifische Belastungsintensitäten, die ungefähr der Intensität der ausgeübten Sportart entsprechen, sind wichtige reizwirksame Impulse. Ganz  dienen der Entwicklung der motorischen Fähigkeiten. Diese Einheiten dürfen aber einen bestimmten Anteil am Gesamttraining nicht überschreiten, da sonst eine Leistungsstagnation oder auch Leistungsverschlechterung eintreten kann. Wie bestimmt man denn nun die entsprechenden optimalen Trainingsreize? Dies ist in erster Linie abhängig von der Sportart. Ein Langstreckenläufer muss natürlich anders trainieren als ein Sprinter oder ein Kugelstoßer, und dies ist wiederum abhängig vom jeweiligen Leistungsvermögen. In der Trainingspraxis existieren zur Leistungseinschätzung verschiedene sportmotorische Teste oder am besten spezielle leistungsdiagnostische Untersuchungen. Möglichst sportartspezifisch erfolgen dabei die entsprechenden Untersuchungen. Für Läufer z.B. auf dem Laufband, für Radfahrer auf dem Fahrradergometer, Ruderer werden auf dem Ruderergometer untersucht, Schwimmer im Schwimmbecken oder noch besser im Schwimmkanal etc. Mittels dieser Untersuchungen können einerseits der Gesundheitszustand als auch im weiteren reizwirksame individuelle Belastungsbereiche festgelegt werden. Für das Ausdauertraining werden z.B. 3 wichtige Trainingsbereiche definiert: der anaeroben Bereich, der aerob-anaeroben Übergangsbereich und der aeroben Bereich. Anhand der entsprechenden Untersuchungen werden dann Trainingsvorgaben mit den Richtgrößen Geschwindigkeit, Leistung und Herzfrequenz (zur Überprüfung mittels Pulsuhr) erarbeitet, um ein gezieltes Training im entsprechenden Bereich gewährleisten zu können. Ähnliche Untersuchungen werden zur Belastungsoptimierung im Kraft- und Schnelligkeitsbereich durchgeführt. Es ist sicherlich leicht zu verstehen, dass je nach Gesundheitszustand, Trainingsalter, Leistungsvoraussetzungen etc. für jeden diese Bereiche unterschiedlich sind. Fazit: Für ein effektives Training werden reizwirksame Trainingsintensitäten benötigt, die sich vor allem nach der Sportart, den jeweiligen Leistungsvoraussetzungen und den persönlichen Zielen richten. Dabei haben sich leistungsdiagnostische Untersuchungen bewährt, anhand derer individuell optimale Trainingsintensitäten abgeleitet werden können.

2. Zu einseitiges Training

Ganz ähnlich gelagert ist dieser Trainingsfehler. Die sportliche Leistung ist von vielen Faktoren abhängig: den konditionellen Fähigkeiten, der Technik, den psychischen und taktischen Fähigkeiten, als auch den Rahmen- und äußeren Bedingungen. Ein guter Läufer darf z.B. nicht nur das Laufen trainieren, ein Fußballer nicht nur den Umgang mit dem Ball. Häufig werden vor lauter Enthusiasmus für die eigentliche Sportart wichtige Trainingsschwerpunkte glatt vergessen. Darunter ist einerseits z.B. eine regelmäßige Erwärmung zur Vorbereitung des Körpers vor dem jeweiligen Haupttraining durchzuführen. Abgeschlossen werden sollte jede Einheit mit einem Abwärmprogramm zur Verbesserung der Regeneration. Auch darf nicht vergessen werden, dass speziell unsere Muskulatur erst alle Bewegungen erlaubt, unsere Gelenke stabilisiert, den Körper so auch vor Verletzungen schütz. Oftmals machen sich so z.B. bei Radfahrern durch die nicht gerade rückenschonende Sitzhaltung Rückenprobleme bemerkbar. Die Ursache ist dabei nicht unbedingt die Sitzhaltung allein, sondern eine schlecht muskulär stabilisierte Wirbelsäule. Muskuläre Dysbalancen lassen sich generell nicht allein durch ein Dehnprogramm beheben, sondern in erster Linie durch ein individuell
abgestuftes Muskelaufbauprogramm. Ein effizientes Trainingsprogramm hat viele Aspekte zu berücksichtigen, sportartunspezifische und sportartspezifische. Ganz allgemein lässt sich jede Sportart in so genannte konditionelle Fähigkeiten unterteilen: Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Koordination und Schnelligkeit. Dabei werden für jede Sportart alle Fähigkeiten benötigt, nur das Ausmaß ist unterschiedlich für die entsprechenden Sportarten. So trainieren gute Schwimmer im Winter durchaus auf Langlaufskiern, um die so genannte aerobe Kapazität zu verbessern (Sauerstoffaufnahmevermögen des Körpers). Und Ausdauersportler benötigen auch eine gewisse Schnelligkeit, die wiederum an die Kraftfähigkeit gebunden ist. Fazit: Ein intelligentes Training berücksichtigt die allseitige Entwicklung des Körpers, der nur so optimale bzw. maximale Leistungen vollbringen kann.

3.Fehlende Regeneration

Häufig stellen wir
auch fest, dass in Anbetracht des Trainingszustandes und des Alters zu viele und in der Summe zu viele
intensive
Trainingseinheiten durchgeführt werden. Ganz besonders deutlich wird dies, wenn man ungewohnt
hohe oder auch von der Belastungsart ungewohnte Belastungen auf sich genommen hat. Als Beispiel sei
nur erwähnt, dass auch gute Sportler von der Wirkung von schnellen Antritten und Abstoppen wie beim Squash oder Badminton in Form eines kräftigen Muskelkaters überrascht werden können. Jede
Trainingsbelastung führt zu einer (gewollten) Ermüdung des Körpers. Insbesondere nach Belastungsblöcken oder auch Trainingslagern ist diese stark ausgeprägt. Nach Beendigung der Belastung, in der so genannten >Regenerationsphase, verlaufen im Körper vielfältige Wiederherstellungsprozesse. Stoffwechselendprodukte, wie z.B. das Laktat, müssen abtransportiert werden. Verbrauchte Stoffe, wie z.B. die
körpereigenen >Kohlenhydratreserven in Form von Glycogen, müssen neu synthetisiert werden. Und beschädigte Muskelzellen, denn nichts anderes ist die Ursache des Muskelkaters, müssen repariert werden. Allerdings verlaufen diese Prozesse unterschiedlich schnell. Wasser und Elektrolyte werden innerhalb von 6
Stunden nach Belastungen ausgeglichen, die Glycogenresynthese dauert schon bis zu 2 Tagen nach intensiven Belastungen. Und die Eiweißresynthese nach intensiven Belastungen in beschädigten Muskelzellen dauert bis zu 4 Tagen. So ist nach einem intensiven Ausdauertraining bei Untrainierten eine Erholungsphase von bis zu 48 Stunden einzuhalten, nach einem Maximalkrafttraining bis zu 72 Stunden. Mit zunehmendem verlängern sich natürlich die Regenerationszeiten weiterhin. Ist die Regeneration nicht
abgeschlossen, befindet sich der Körper noch nicht auf seinem alten Leistungsniveau. Jetzt einsetzende
erneute Trainingsbelastungen führen zu einer Leistungsstagnation oder im schlimmsten Falle auch zu
einer Leistungsverschlechterung. Weitere fatale Folgen können Verletzungen und Erkrankungen sein. Im optimalen Fall erfolgt nach einer ausreichenden Regenerationsphase eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit. Dies wird als das so genannte Prinzip der Superkompensation bezeichnet. Erneute Trainingsreize in dieser Phase führen wiederum zur Ermüdung, allerdings stabilisiert sich der Körper mit
fortlaufender Trainingsdauer auf einem immer höheren Niveau. Das optimale Belastungs-Erholungs-Verhältnis ist somit eine wesentliche Voraussetzung für eine gezielte Leistungsverbesserung. Erholung gehört zum Training. Wer dem Körper keine ausreichende Ruhepause gönnt, treibtRaubbau mit seinem
Körper. Die Regeneration ist sowohl für die Gesundheit als auch Steigerung  Leistungsfähigkeit wichtig. Der Mut zur Pause ist im Training ebenso wichtig wie die Motivation zur Belastung.

Dr. med. Frank Möckel

 

 

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