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Ernährung beim Bergsteigen

Vortrag auf der Alpintagung „Trekking- und Höhenmedizin“
am 23.-25.02.2001
 
in der Evangelischen Akademie Bad Boll 
Eine optimale Ernährung stellt die Basis zur Erhaltung der Gesundheit, des Wohlbefindens und zur Entwicklung einer hohen körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit dar. Probleme beim Sport und Bergsteigen treten insbesondere hinsichtlich des hohen geforderten Kohlenhydratanteiles, der Versorgung mit Mineralien und  Spurenelementen (Eisen, Magnesium, Zink, Calcium, Jod, Selen), Vitaminen (Vit. E, Vit. D, B-Vitamine, Folsäure) sowie insbesondere der Trinkmenge und des Trinkverhaltens auf. Zusätzliche Besonderheiten beim Bergsteigen sind die lange Zeitdauer der Belastung, begrenzte Transportkapazität, unvorhergesehene Ereignisse mit folgender Lebensmittelknappheit, extreme klimatische Bedingungen sowie auftretende gesundheitliche Probleme in der Höhe.
 
Der Energieumsatz liegt bei Trekkingtouren im Bereich von 3.500 – 4.500 kcal, beim Bergsteigen bei ca. 4.000 – 6.000 kcal und erreicht beim Höhenbergsteigen Spitzenwerte von bis zu 8.000 kcal. 
Als Energieträger stehen dem Organismus Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße zur Verfügung. Eine optimale Nährstoffrelation sieht folgende Relation bezüglich der Energie-% vor: Kohlenhydrate : Fett : Eiweiß = 55-60 : 25-30 : 12-15 %. Ein hoher Kohlenhydratanteil ist die Basis einer gesunden und leistungsfördernden Ernährung. Der Vorteil der Kohlenhydrate liegt in einer raschen Metabolik, einem gegenüber Fetten geringerem Sauerstoffverbrauch, einer kurzfristigen Energiebereitstellung sowie einem positiven Einfluss auf die Leistungsfähigkeit. Die körpereigenen Kohlenhydratspeicher im Form von Glycogen in der Muskulatur und Leber sollten insbesondere während der körperlichen Aktivität kontinuierlich und nach körperlichen Aktivitäten (schnelle Glycogenresynthese in ersten Stunden nach der Belastung) optimal aufgefüllt werden.
 
Die Zufuhr von Fetten ist essentiell, wobei zumeist der Anteil in der Ernährung zu hoch ist. Nachteile stellen ein höherer Sauerstoffbedarf bei der Verbrennung, eine langsame Energiebereitstellung, eine Verzögerung der Magenpassage sowie eine Verringerung der Dauerleistungsfähigkeit dar. Hinzu kommt eine schlechtere Verträglichkeit in der Höhe.
 
Bei einer ausgewogenen Ernährung werden Eiweiße kaum für die Energiegewinnung herangezogen. Der tägliche Bedarf liegt lt. DGE bei 0,8 - 1,2 g / kg Körpergewicht. Wird jedoch in Höhenregionen eine negative Energiebilanz eingegangen, so wird auch körpereigenes Eiweiß abgebaut (Muskulatur, Immunsystem,...). Dieses muss dann insbesondere nach der Rückkehr in´s Basislager aufgefüllt werden. Bei der Auswahl der Lebensmittel ist auf tierische (Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier) und pflanzliche (Hülsenfrüchte, Getreideprodukte, Teigwaren, Soja, Kartoffeln, Reis) Quellen im Verhältnis von etwa 1 : 1 zu achten.
 
Vitamine, Minerale und Spurenelemente sind in vielfältigen biochemischen Reaktionen des Körpers beteiligt und stellen damit wichtige Bausteine für eine optimale Funktion und Leistungsfähigkeit dar. Hinzu kommt insbesondere bei intensiven körperlichen Belastungen und Höhenexposition ein erhöhter oxydativer Stress, der sich negativ auf die Leistungsfähigkeit und Erkrankungen auswirken kann. Aus diesem Grunde wird bei einer unterkalorischen Ernährung sowie nicht ausreichenden Zufuhr von Obst und Gemüse eine adäquate Substitution empfohlen.
 
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr stellt den limitierenden Faktor beim Höhenbergsteigen dar. Flüssigkeitsverluste ab 2 % (d.h. ab ca. 1-2 l) wirken sich negativ auf die Leistungsfähigkeit aus und führen in der Folge bis zu Krämpfen, Koordinationsstörungen, Erschöpfung, Kollaps, Thrombosegefahr. Aus diesem Grund ist auf eine ausreichende und kontinuierliche Flüssigkeitszufuhr unter Belastung zu achten: ca. 1 ml pro 1 kcal Energieverbrauch, ca. 1 l pro Stunde. Für eine optimale Rehydration haben sich isotonische Getränke bewährt. Hauptbestandteile sind Kohlenhydrate mit einem Anteil von 60-80 g/l sowie einem Natriumanteil von 400-1100 g/l. Getrunken werden sollte in kleineren Portionen, dafür aber regelmäßig. Die Trinkmenge richtet sich nach der Belastungsintensität und den klimatischen Gegebenheiten und liegt bei etwa 4-8 l pro Tag.
 
Der Tourenplan sieht ein leichtes gut verdauliches Frühstück vor. Dabei sollte auch ausreichend getrunken werden. Unterwegs ist je nach Belastungsintensität alle 1-2 Stunden eine Pause mit Zufuhr von Flüssigkeit und kohlenhydratreichen Zwischenmahlzeiten einzurichten. Nach dem Tourende ist unbedingt auf eine schnelle Wiederauffüllung von Flüssigkeit und Kohlenhydraten zu achten. Die Hauptmahlzeit des Tages erfolgt abends, bei der ausgiebig gegessen und getrunken werden soll.
 
Zusammenfassend ist auf eine ausreichende Mischkost zu achten, die den Bedarf von Makro- und Mikronährstoffen deckt. Insbesondere beim Höhenbergsteigen ist eine schnelle und ausreichende Trinkmenge lebensnotwendig.
  
Dr. med. Frank Möckel

 

 

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