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GESUNDHEIT BRAUCHT
TRAINING!
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Leistungsdiagnostik und Trainingsempfehlungen
für den Bergsteiger

- Vortrag auf der
Alpintagung „Trekking- und Höhenmedizin“
- am 23.-25.02.2001
in der Evangelischen Akademie Bad Boll
- Die sportliche
Leistung in Bergsportdisziplinen ist von einer Vielzahl von Faktoren
abhängig: den konditionelle Fähigkeiten wie Kraft, Ausdauer,
Schnelligkeit, Beweglichkeit, Koordination, den psychischen Fähigkeiten,
den äußeren Bedingungen (Wetter, Gruppe,...) und Rahmenbedingungen
(Gesundheit, Ausrüstung,...), den taktisch-kognitiven Fertigkeiten
(Kletter-/Besteigungstaktik) und weiteren Faktoren. Dabei handelt es
sich bei den Bergsportdisziplinen um keine einheitliche Gruppe, sondern
die einzelnen Sportarten wie Felsklettern, Eisklettern, Skibergsteigen,
alpines Bergsteigen, Expeditionsbergsteigen, Mountainbiken,
Klettersteigbegehungen und Wandern sowie Trekking weisen hinsichtlich
ihrer Struktur unterschiedliche Belastungs- und Beanspruchungsprofile
auf. Eine grobe Einteilung kann in statische (u.a. Klettern) und
dynamische (u.a. Trekking, Hochtouren) Sportarten vorgenommen werden.
Für die eher statisch orientierten Sportarten spielt die Kraft eine
größere Rolle, währenddessen für die eher dynamisch orientierten
Sportarten die Ausdauer eine größere Gewichtung besitzt. Beim
Höhenbergsteigen kommt als weiteres wichtiges „Eignungskriterium“ die
Höhentauglichkeit dazu. Diese ist wahrscheinlich vorzugsweise genetisch
festgelegt, wobei ungeachtet der individuell unterschiedlichen
Dispositionen im Rahmen eines taktisch richtigen Verhaltens eine
Akklimatisation in der Regel möglich ist. Mit zunehmender Höhe und damit
abnehmenden Sauerstoffpartialdruck nimmt die Sauerstoffaufnahmefähigkeit
des Körpers um ca. 10 % pro 1000 Höhenmeter ab, was sich letztendlich in
einer reduzierten Leistungsfähigkeit (z.B. Steigleistung) in der Höhe
widerspiegelt. Je besser letztendlich der Trainingszustand ist, d.h.
u.a. je höher das maximale Sauerstoffaufnahmevermögen unter
N.N.-Bedingungen ist, desto größer sind nach erfolgter Akklimatisation
die Leistungsreserven. Allerdings sind so genannte „Zielwerte“ mit
Zurückhaltung zu beurteilen, da es keine enge Beziehung zwischen der
Leistungsfähigkeit in der Höhe und dem maximalen
Sauerstoffaufnahmevermögen gibt.
Mittels leistungsdiagnostischer Untersuchungen können infolge der
Komplexität der bergsteigerischen Leistung nur Einzelkomponenten
überprüft werden. Ziele dieser Untersuchungen sind eine Einschätzung der
Belastbarkeit (gesundheitliche Voraussetzungen), Beurteilung der
aktuellen Leistungsfähigkeit als auch entsprechende Beratungen zum
systematischen Trainingsaufbau, zur Gesundheitsprophylaxe, zu
höhenmedizinischen Problemen etc. Dabei beinhalten
leistungsdiagnostische Untersuchungen zur Einschätzung der
Leistungsfähigkeit motorische Prüfbelastungen, die den individuellen
Entwicklungsstand konditioneller Fähigkeiten (Kraft, Ausdauer,
Schnelligkeit, Beweglichkeit, Koordination) messen. Je nach ausgeübter
Sportart (kraft-/ausdauerorientiert) werden dabei unterschiedliche
Untersuchungen durchgeführt, die in Form von sportmotorischen
Eigenschaftsprofilen zusammengefasst werden können. Der Standart zur
Überprüfung von Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit besteht in einer
ergometrischen Untersuchung auf dem Fahrrad oder auch Laufband. Mittels
dieser Untersuchung werden u.a. die erbrachte Leistung sowie zusätzliche
biologische Parameter wie Blutdruck, EKG, Puls, Laktat,
Sauerstoffaufnahme etc. erfasst.
Unter Berücksichtigung der persönlichen Zielvorstellungen kann anhand
der Ergebnisse ein individuelles Trainings- bzw. Vorbereitungsprogramm
zusammengestellt werden. Die individuelle Höhentauglichkeit ist derzeit
noch mit keinem Testverfahren im Routineeinsatz objektiv zu beurteilen.
Die Leistungs- bzw. Trainingssteuerung ist eine gezielte Beeinflussung
eines gegebenen Leistungszustandes zum Zwecke der Leistungsoptimierung.
Vornehmlich sollen individuelle Defizite abgebaut werden als auch im
Hinblick auf die auszuübende Sportart Schwerpunkte im Training gesetzt
werden. Insgesamt steht eine komplexe Verbesserung der sportmotorischen
Fähigkeiten und Fertigkeiten im Vordergrund. Die Ausdauerkomponente kann
dabei sowohl unspezifisch durch Laufen, Radfahren etc. in Form der
Dauer- und Intervallmethode oder auch spezifisch durch Bergwanderungen,
Hoch- und Skitouren verbessert werden. Zur Verbesserung des Kraftniveaus
(v.a. für Kletterer) empfiehlt sich ein speziell abgestimmtes
Krafttrainingsprogramm mit Hypertrophie-, Maximalkraft- und
Kraftausdauertraining sowie dessen klettertechnische Umsetzung. Die
Beweglichkeit wird vor allem durch eine Funktionsgymnastik und
Stretching-Maßnahmen verbessert. Im Rahmen des Schnelligkeitstrainings
steht die Reaktions- und Aktionsschnelligkeit sowie das Techniktraining
im Vordergrund. Die Koordination kann einerseits durch verschiedene
Gleichgewichtsübungen als auch sportartspezifisch (Klettern, Skifahren,
Techniktraining,...) verbessert werden. Ein spezielles Höhentraining
oder auch Vor-Akklimatisation ist sehr aufwendig und hat sich bisher
nicht generell bewährt. Insgesamt ist auf eine Regelmäßigkeit und
Kontinuität im Training zu achten. Das Training sollte systematisch
aufgebaut sein mit langsamer Steigerung zuerst der Häufigkeit, später
der Dauer und Intensität sowie mit einer entsprechenden Variation und
Periodisierung der Trainingsbelastung.
Die Grenzen von leistungsdiagnostischen Untersuchungen liegen vor allem
in der Erfassung von Teilaspekten der Gesamtleistung und Persönlichkeit.
Es besteht keine vollständige Übereinstimmung zwischen der Teststruktur
und der eigentlichen sportmotorischen Leistung beim Bergsteigen. Damit
ist auch nur eine indirekte Trainingssteuerung möglich. Eine exakte
Leitungsprognose wie z.B. in typischen Ausdauersportarten wie Radfahren
und Laufen ist nicht möglich. Allerdings zeigt die aktuelle
Unfallstatistik des DAV, dass nach einem Mangel an alpiner Erfahrung
eine unzureichende körperliche Verfassung an zweiter Stelle steht. Des
weiteren sind mehr als 30 % der tödlichen Ereignisse im Bergsport
plötzliche Herztodesfälle(Burtscher, 1997), die sich vor allem im
zunehmendem Alter repräsentieren. Auch auf Grund dieser Erfahrungen
liegen die Möglichkeiten von leistungsdiagnostischen Untersuchungen vor
allem in einer Abklärung der gesundheitlichen Voraussetzungen und in
einer individuellen Trainingsoptimierung. Dies trägt wesentlich zu einer
optimalen Reisevorbereitung, zur Erhöhung der Sicherheit am Berg sowie
zum bergsportlichen Genuss bei.
„Ein solider Gesundheits- und Trainingszustand ist die wichtigste
Grundlage der
alpinistischen Leistungsfähigkeit.“ (Berghold)
Dr. med. Frank Möckel
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